Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2017/18

Lehrveranstaltungen mit Religionsbezug an der Universität Leipzig - Wintersemester 2017/18


Religionswissenschaftliches Institut

Das umfangreiche Lehrangebot des Religionswissenschaftlichen Instituts finden Sie hier.

 

Theologische Fakultät

Das umfangreiche Lehrangebot der Theologischen Fakultät finden Sie hier.

 

Historisches Seminar

M. Rudersdorf

Deutsche und europäische Geschichte 1555 bis 1618 – Konfessionalisierung, Politisierung und frühmoderne Staatswerdung vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (V)

Fr., 9.15 Uhr, HSG HS 3

Die Zeit zwischen dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 und dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618, oft genug verkürzt als Zeitalter der Gegenreformation gesehen, war eine Epoche voller Vielfalt, Spannungen und inneren Widersprüche. Zwei gesellschaftliche Fundamentalvorgänge von langer Wirkung bestimmten die Signatur der Epoche: Zum einen die Ausformung und Behauptung der konkurrierenden Konfessionen, die zu mächtigen politischen Parteien wurden, zum anderen die Formierung und Gestaltwerdung des frühmodernen Staates im gemeineuropäischen Spannungsfeld zwischen Selbstbehauptung und Hegemonie. Die krisenhaften Auseinandersetzungen zwischen Kaiser, Reichsständen und europäischen Mächten werden ebenso thematisiert wie die plurale kulturelle Entfaltung an Höfen und Universitäten im Geiste der Spätrenaissance und des Humanismus. Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges mit seiner traumatischen Erfahrung für die Deutschen gab nach 1618 erneut den Anstoß für Veränderungen auf den Ebenen von Verfassung, Gesellschaft und politischer Administration im Alten Reich. Rückblick und Ausblick im europäischen Kontext beschließen die Vorlesung.

 

M. Rudersdorf

Geschichte der Frühen Neuzeit: Renaissance, Reformation und säkulare Staatsbildung – zu zentralen Konstitutionsfaktoren der europäischen Vormoderne (V)

Do, 17.15 Uhr, HSG HS 3

Renaissance, Humanismus und Reformation bilden eine alles umfassende kulturelle Folie, von der entscheidende Anstöße zu einem gesellschaftlichen Wandlungsprozess vor und nach 1500 ausgehen. Die Reformation sprengte die Einheit der Kirche und wurde so zu einem Ausgangspunkt für tiefgreifende Veränderungen im Bereich von Verfassung, Gesellschaft und politischer Administration im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Vorlesung möchte einen Überblick über die Wechselbeziehungen zwischen Staat und Reformation im europäischen Kontext vermitteln. Dabei werden neben der politischen Geschichte besonders auch die religions-, kultur- und verfassungsgeschichtlichen Auswirkungen der frühen Reformation auf das Geschehen im Reich und in den europäischen Nachbarstaaten berücksichtigt.

 

A. Koller

Luther und Rom. Die Reformation und das Papsttum (1. Hälfte 16. Jh.) (BS)

Okt. 2017, jeweils 11-17

Vor 500 Jahren wurde ein konfessioneller Prozeß in Gang gesetzt, der zu einschneidenden, bis heute nachwirkenden gesellschaftlichen Umbrüchen im deutschen Raum und in ganz Europa führte. Das Seminar widmet sich der Frühphase der Reformation im Reich aus dem Blickwinkel der römischen Kurie bis hin zum Augsburger Religionsfrieden (1555). Dabei sollen die Möglichkeiten und Spielräume des Papsttums in der Auseinandersetzung mit dem beginnenden Protestantismus an der römischen Zentrale selbst, aber auch in den deutschen Territorien bestimmt werden. In diesem Zusammenhang sollen besonders die ins Reich (Kaiserhof, Reichstage) entsandten päpstlichen Vertreter (Legaten, Nuntien) als entscheidende Akteure des konfessionellen Konflikts in den 75 Blick genommen werden. Darüber hinaus soll auch der innerkirchliche Reformprozeß der römischen Kirche angesprochen werden.

 

O. Krause

Exulanten und religiöse Verfolgung im 16. und 17 Jahrhundert (S)

Mo, 13.15 Uhr, GWZ, 4.216

Angestoßen von der Glaubenslehre Luthers erwuchsen im konfessionellen Zeitalter zahlreiche weitere Interpretationen des christlichen Glaubens, die im Gegensatz zum Katholizismus standen und der Verfolgung und Ausgrenzung anheim fielen. Angeregt von den Theologen Johannes Calvin, Ulrich Zwingli, Heinrich Bullinger, Martin Luther und Philipp Melanchthon entstanden in Frankreich, Niederdeutschland, Mähren und Großbritannien Glaubensgemeinden, die Repressionen ausgesetzt waren, die zu deren Vertreibung, Flucht und Auswanderung führten. Das Seminar wird sich explizit mit dem Calvinismus, dem Täufertum, den Hugenotten und den Puritanern beschäftigten und dabei die teilweise interkontinentalen Wanderungsbewegung der Gruppierungen in den Blick nehmen.

 

W. Huschner

Geschichte Europas und des Mittelmeerraums im Hochmittelalter (ca. 900-1200) (V)

Mi, 15.15 Uhr, HSG, HS 5

Nach dem Untergang des antiken weströmischen Reiches stellte das oströmischbyzantinische Imperium mit seiner Hauptstadt Konstantinopel bis zum 11./12. Jahrhundert das politische und kulturelle Zentrum in Europa dar. Nach der erneuten Errichtung eines westlichen Imperiums durch Otto I. (962) existierten in Europa zwei Imperien mit universalem Anspruch. Die Relationen zwischen östlichen und westlichen Imperatoren (seit 962), zwischen Imperatoren und Päpsten bzw. Patriarchen, die Beziehungen der beiden Imperien zu den verschiedenen Reichen in Süd-, Mittel-, Ost und Westeuropa sowie zwischen Kaisern und den Kalifen von Bagdad und Córdoba und anderen muslimischen Herrschern werden Schwerpunkte der Vorlesungsreihe bilden.

 

A. Engelhardt, A. Wolf

Transnationale Verschränkungen – Jüdische Institutionen im 19. und 20. Jahrhundert (K)

Mi, 17 c.t.–19 Uhr, vierzehntäglich Simon-Dubnow-Institut, Goldschmidtstr. 28, Seminarraum EG

Institutionen eröffnen Handlungsräume und stiften Kontinuität. Dabei steht jedoch – mit Adorno gesprochen – ihre Funktion zur Disposition, die nicht nur der eigenen handlungsleitenden Idee, sondern auch dem Interesse der eigenen Perpetuierung folgt. Angelehnt an eine Institutionengeschichte, die nicht nur nach Strukturen sondern gleichsam nach Aushandlungsprozessen fragt, sollen eine Bandbreite jüdischer Institutionen in den Blick genommen werden. Mit dem Ende der korporativen Struktur jüdischer Gemeinden setzte im langen 19. Jahrhundert eine Institutionalisierungsphase ein, die eine Reihe von politischen, kulturellen und religiösen Vereinigungen sowie Interessensvertretungen hervorbrachte, die angesichts ihres diasporischen und deterritorialen Kontextes eine besondere Bedeutung für die Handlungsräume und –möglichkeiten jüdischer Akteure einnahmen. Mit der Gründung des Staates Israel wandelte sich diese Kondition, behält für die Diaspora jedoch auch im 20. Jahrhundert weiterhin Geltung. Im Forschungskolloquium im Wintersemester 2017/18 wird jener Spannung von nationalen Traditionsbeständen und transnationalen Strukturen für wichtige jüdische Institutionen nachgegangen.

 

W. Huschner

Konflikte und Kooperationen zwischen westlichen Kaisern, Königen und Päpsten (1039-1137) (S)

Di, 17.15 Uhr, GWZ 5.216

Um die Mitte des 11. Jahrhunderts begannen sich die seit der Ottonenzeit etablierten politischen Strukturen im westlichen Imperium sukzessive zu verändern. Gleichzeitig rückten Reformmönchtum und Reformpapsttum die Frage nach dem Verhältnis zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt theoretisch und politisch in den Vordergrund. Über das Verfahren bei der Erhebung neuer Bischöfe und Reichsäbte entzündete sich ein Streit zwischen Kaisern und Königen sowie den Päpsten, der die sozialen Führungsgruppen in „Deutschland“ und „Italien“ spaltete („Investiturstreit“). Im Seminar sollen Auswirkungen dieser grundsätzlichen Auseinandersetzung um die Relationen und Reichweiten der geistlichen und der weltlicher Sphäre auf den nordalpinen Teil des westlichen Imperiums untersucht und diskutiert werden. In Verbindung mit dem Thema sollen die problemorientierte Erfassung des aktuellen Forschungsstands, die kritische Auseinandersetzung mit den überlieferten historischen Quellen sowie die Methoden und Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens geübt werden. Die Teilnehmer müssen einen mündlichen Beitrag (als Referent oder Opponent) leisten und eine schriftliche Hausarbeit anfertigen.

 

K. Gurt

Martin Lu(d)ther: Augustiner- Eremit – Reformator? (S)

Mo, 9.15 Uhr und Mo, 11.15 Uhr, GWZ 5.216

Das Seminar wird sich anhand der filmischen Aufbereitung des Lutherbildes nicht nur mit dem Kennenlernen der Person Martin Lu(d)thers beschäftigen. Ziel ist u. a. eine dekonstruktive Auseinandersetzung mit dem 2003 erschienenen Film „Luther“, die die Rezipienten verstehen lässt, welches Lutherbild im Streit um den „richtigen“ Weg zum ewigen Leben vermittelt werden soll. Dazu ist es notwendig, dass über die Person Luthers hinaus der Zustand der Kirche im ausgehenden Mittelalter analysiert und geprüft wird. Am Ende soll die These über das Buch „Die fremde Reformation: Luthers mystische Wurzeln“ von Volker Leppin (2017) geprüft werden: „Volker Leppin… führt uns eine Reformation vor Augen, die viel mittelalterlicher und fremder ist, als es die Meistererzählungen von diesem ,Umbruch‘ wahrhaben wollen.“ Das Seminar richtet sich insbesondere an Studierende des Staatsexamens.

 

A. Sembdner

 „Müßiggang ist der Seele Feind“ – Rolle, Funktion und Bedeutung mitteldeutscher Zisterzienserklöster im späten Mittelalter (S)

Di, 15.15–16.45 Uhr, GWZ 5.216

Die Klöster des europäischen Mittelalters waren „Innovationszentren“, Träger von Bildung, Kultur und technologischem Fortschritt, gewissermaßen Leuchttürme der Zivilisation in einer agrarisch geprägten und weitgehend schriftlosen, z. T. noch archaischen Umwelt. Lag ihr eigentlicher Zweck in der Selbstheiligung der Mönche und Nonnen durch die rigorose Abschottung von der Welt, so gelangte diese Welt trotz der Klostermauern immer in die Klöster hinein, sei es durch Schenkungen, der Verpflichtung zur Memoria, aufgrund erfolgreicher Klosterwirtschaft oder ganz einfach mit der Aufnahme neuer Mitglieder. Gerade die Zisterzienser gelten als Spezialisten der Klosterverwaltung und der Kultivierung von Neuland – ein Narrativ, das sie selbst gerne bedienten. Sie griffen wirtschaftlich durch Grundbesitz, Grangien und Stadthöfe, religiös durch das Patronat über Pfarrkirchen und Hospitäler in die Städte und das Land aus. Das Seminar fokussiert sich auf einige ausgewählte Zisterzienserklöster des sächsischen Raumes während des Spätmittelalters, namentlich die Klöster Altzelle, Buch und Pforta. Im Vordergrund stehen die vielschichtigen Wechselwirkungen von Kloster und Umwelt, nicht zuletzt deren Rolle als Grund- und Kirchherrn auf den Dörfern. Damit berührt das Seminar aber nicht nur Aspekte der Agrar- und Pfarreigeschichte, sondern allgemein der spätmittelalterlichen Gesellschafts-, Kultur- und Sozialgeschichte. Den Teilnehmern wird die Möglichkeit geboten sich diesen für die europäische Kulturgeschichte fundamentalen Phänomenen und Prozessen über die gedruckte und auch originale Überlieferung zu nähern. Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft der Seminarteilnehmer sich auf die Sprache der Quellen, also mittelalterliches Latein und Frühneuhochdeutsch, einzulassen. Zugleich wird der wissenschaftlich-kritische Umgang mit Quellen und Forschungsliteratur geübt und so auf die selbstständige Erarbeitung einer Qualifikationsarbeit vorbereitet.

 

E. Bünz

Die erfolgreichste Institution des Mittelalters: Die Pfarrei (V)

Di, 11.15 Uhr, HSG, HS 10

Die Pfarrei ist die erfolgreichste Institution des Mittelalters. Die Christianisierung Europas und die kirchliche Versorgung der Bevölkerung wären ohne die zahlreichen Pfarrkirchen in Stadt und Land undenkbar gewesen. In vielen Dörfern und Städten sind sie das älteste Bauwerk vor Ort und verdeutlichen, dass die Pfarrei eine Institution von langer Dauer ist, die vom Mittelalter bis zur Gegenwart zentrale kirchliche Funktionen erfüllt. Die Pfarrei, regional auch als Kirchspiel oder Parochie bezeichnet, prägte den Alltag der Menschen in allen Höhen und Tiefen, wurde zur intensivsten Kontaktzone von Kirche und Welt. Ihre Erforschung lenkt den Blick deshalb auf wichtige Bereiche der Verfassungs- und Sozialgeschichte, sowie der Bildungs-, Kultur- und Kunstgeschichte des Mittelalters.

 

E. Bünz

Quellen zum Alltagsleben im späten Mittelalter (13. - 16. Jahrhundert) (S)

Do, 11.15 Uhr, GWZ, 5.216

Was wissen wir über den Alltag der Menschen vor 500 Jahren? Wie lebten die Menschen jenseits der großen Haupt- und Staatsaktionen in den Städten und Dörfern des späten Mittelalters? Was können wir über Familie und Sexualität, Kindererziehung und Tod, Glauben und Frömmigkeit, die alltäglichen Lebenswelten der Menschen feststellen? Indem diese und weitere Fragen gestellt werden, möchte das Seminar den Blick für vielfältige Quellentypen wie Testamente, Visitationsprotokolle, Pfarrbücher, Gerichtsakten, Urbare, Mirakelbücher, Kirchenrechnungen, Nachlassinventare und Reiseberichte öffnen, die aus dem späten Mittelalter in reicher Zahl überliefert sind. Darüber hinaus möchte das Seminar auch den Blick dafür schärfen, dass neben den Schriftquellen auch Kunstwerke und Realien wichtige Quellen des Historikers sind.

 

Arabistik

M. Hakenberg

Ausgewählte Probleme der MENA-Region (S)

Mi, 13.15 Uhr, HSG, H2.046

Im Seminar werden aus gewählte fachspezifische Problemfelder näher vorgestellt und Einblick in aktuelle Forschungsansätze und –fragen gegeben.

 

H. Ebert; M. Hakenberg; V. Klemm; E. Schulz

Die arabische und islamische Welt (V)

Mi, 7.30 Uhr, HSG Hörsaal 7, H2.006

Die Vorlesung vermittelt grundlegende Kenntnisse zur arabischen und islamischen Welt aus den Themenfeldern Geschichte, Religion, Kultur, Sprache und Sprachgeschichte sowie islamisches Recht.

 

V. Klemm

Geschichte des Vorderen Orients in islamischer Zeit (V)

Mo, 16 Uhr s.t., Schillerstraße 6, Raum S202 

Die Vorlesung vermittelt in prägnanten Einheiten die politische Geschichte der islamisch geprägten Welt vom 6. bis zu Beginn des 19. Jahrhundert. Ergänzend werden Beispiele der wissenschaftlichen, literarischen und architektonischen Produktion der vormodernen Kultur vorgestellt und erläutert. Ebenso wird ein Einblick in Quellen und Methoden der Islamwissenschaft/Arabistik gegeben sowie die Frage nach der Relevanz von Geschichte im islamwissenschaftlichen Kontext diskutiert. Die Vorlesung wird im SS 2018 mit einem Seminar zum 19. Jahrhundert im Nahen Osten fortgesetzt.

 

J. Heilen

Islamisches Recht (S)

Mo, 11 Uhr s.t., Schillerstraße 6, Raum S102  

Unter Beachtung der in der "Einführung in die Schwerpunkte der Arabistik" dargestellten grundlegenden Ausführungen zum Islamischen Recht werden in dieser Vorlesung vertiefte Kenntnisse zu den usûl al-fiqh und furû' al-fiqh vermittelt. Das Islamische Recht soll in seiner historischen Entwicklung erfasst und diesbezügliche neue Forschungsergebnisse berücksichtigt werden. Ausgehend von den Quellen beschäftigt sich die Lehrveranstaltung mit den Normen einzelner Rechtszweige und stellt diese in den Zusammenhang von Anpassung und Bewahrung unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. Bezüge zur aktuellen Rechtslage in den islamischen Ländern werden hergestellt. Die Vorlesung bietet Einblicke in die "klassische" und "moderne" islamische Rechtsliteratur, so dass entsprechende Arabisch-Kenntnisse vorausgesetzt werden müssen.

 

Ethnologie

U. Rao

Religion, Ritual, Performanz (V), (S)

Mi, 11 Uhr, Hörsaal 10 (V),  Mi, 9 Uhr, S102 (S1),  Do, 9 Uhr (S2)

Dieses Modul beschäftigt sich mit typischen Elementen des religiösen Lebens – wie z.B. Opfern, Mythen und Ritualen. Rückblickend auf die Ideengeschichte der Ethnologie reflektieren wir über religiöse Praxis und deren Repräsentation in ethnologischen Texten, sowie die Rolle von Nachbarfächern wie Religionswissenschaften und Theaterwissenschaften für die Auseinandersetzung mit religiösen Phänomenen. Anhand neuerer theoretischer Werke wird der Übergang zwischen Ritual und Theater thematisiert und die Bedeutung der performativen Wende für religionsethnologische und kulturwissenschaftliche Theoriebildung.

 

S. Weiß, Ch. Graf

Räumliche Mobilität und religiöse Dynamik im globalen Kontext (BS)

Vorbesprechung: 15.12. 10 Uhr; Termine: 5/6.1., 26/27.1., 2.2. 10 Uhr

Im Rahmen des Blockseminars werden wir uns den vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen räumlicher Mobilität und religiöser Dynamik widmen, die sich unter den Bedingungen von Globalisierungsprozessen vollziehen. Anhand von einschlägigen interdisziplinären Debatten und theoretischen Ansätzen aus der Religionswissenschaft und Ethnologie werden soziale Verräumlichungsprozesse, die Entstehung grenzüberschreitender Handlungsräume, Spannungs- und Konfliktfelder sowie transnationale religiöse Netzwerke diskutiert und reflektiert. Ein zentraler Bestandteil der Lehrveranstaltung wird die selbstständige Erarbeitung und Präsentation von empirischen Fallbeispielen seitens der Studierenden darstellen, die diese vor dem Hintergrund theoretischer Positionen erörtern. Von den Studierenden wird erwartet, dass sie sich aktiv in die Gestaltung des Seminars einbringen, selbständig ein Fallbeispiel recherchieren und dieses im Rahmen der Veranstaltungen präsentieren und diskutieren. Ziele der Veranstaltung sind, dass die Studierenden a) theoretische Positionen kennen und erläutern können, b) relevante Themen eigenständig recherchieren, aufbereiten und präsentierten können, c) eine Sitzungseinheit planen und moderieren können.

 

Kunstgeschichte

R. Hiller von Gaertringen

Wiedergewinnung eines verlorenen Schatzes – Die Epitaphien der Universitätskirche Leipzig (S)

Di, 17.15 Uhr, WMH 5/14

Der Kurs sucht eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten mit Einblicken in die Arbeitswelt des Kunstmuseums zu verknüpfen. Eingangs werden die Arbeitsschritte wissenschaftlichen Arbeitens, u. a. das Erarbeiten einer wissenschaftlichen Fragestellung und das Erstellen einer Bibliographie erörtert. In der Folge werden die klassischen Museumsaufgaben Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln reflektiert, unter besonderer Berücksichtigung der Spezifika künstlerischer Originale. Der praktische Teil des Kurses widmet sich den Epitaphien aus der mittelalterlichen Universitätskirche St. Pauli, ein kunsthistorisch bedeutender Kernkomplex der Kunstsammlung der Universität Leipzig. Im Vorfeld der Kirchensprengung am 30. Mai 1968 standen wenige Tage für eine Notbergung zur Verfügung, danach verschwanden die Werke in Depots und wurden als Geheimsache behandelt. Zerlegt in die ursprünglichen Baugruppen lagerten sie auf dem Boden, die Oberflächen waren verschmutzt, die Farbfassungen der Holzobjekte vom Träger abgelöst. Nachdem die Objekte über Jahrzehnte aus der Forschung weitgehend ausgeschieden waren, wurde von der Kustodie in der Nachwendezeit und insbesondere ab 2002 ihre Restaurierung und Wiederanbringung betrieben. Die erhaltenen Denkmäler bestehen aus Stein, Holz mit Polychromie und aus Metall. Ihre Entstehungszeit reicht von 1550 bis 1770, d. h. vom Spätmanierismus bis in den Rokoko. Das Seminar widmet sich der Gattung Epitaph in Abgrenzung von anderen Funerarmonumenten und wirft Fragen zur Sozialgeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Universitätsgeschichte und Theologie auf. Der Bestand zeigt interessante Entwicklungslinien der Gattung auf. Der derzeit öffentlich noch nicht zugängliche Standort im zu eröffnenden Paulinum wird im Rahmen des Seminars ebenso besucht wie die Mitte November eröffnende themenbezogene Ausstellung der Kustodie in der Galerie im Neuen Augusteum. Teilnahmevoraussetzung ist die Übernahme eines Referats zu einem der Epitaphien.

 

E. Wetter

Ein Schatz im Fokus: Der Halberstädter Domschatz im Kontext der Fachgeschichte und Methodendiskussion (BS)

Fr, 10 Uhr s.t., WMH 5/14

Blockveranstaltungen: 27.10.17, 10-14 Uhr 17.11.17, 10-18 Uhr 15.12.17, 10-18 Uhr, 19.01.18, 10-18 Uhr

Der Dom zu Halberstadt bewahrt einen der umfangreichsten Bestände mittelalterlicher Schatzkunst weltweit. Im Zentrum steht die Schenkung des Bischofs Konrad von Krosigk (1201–1208), die im Jahr 1205 als Beute aus der Erstürmung Konstantinopels im Zuge des vierten Kreuzzugs nach Halberstadt gelangte. Zahlreiche Reliquien, kostbare Textilien und weitere liturgische Ausstattungsstücke wurden auf diese Weise aus dem ostkirchlichen in einen westkirchlichen Kontext überführt, fortan hier verehrt, benutzt, neu gefasst, im Laufe der Jahre ergänzt und im Sinne des Kirchenschatzes als Erinnerungsort auch legitimierend geltend gemacht. Das Korpus der Fachliteratur zum Halberstädter Domschatz gestattet in besonderem Maße, unterschiedliche Phasen der Kunstgeschichtsschreibung nachzuvollziehen und kritisch einzuordnen: von der Darstellung des Materials unter historisch illustrierenden Aspekten, über die technische und stilistische Beschreibung der Objekte, ihre liturgische Kontextualisierung im sich wandelnden Reliquienkult bis hin zur Diskussion der Werke unter Stichworten wie ‘Reframing’, ‘Objektbiographie’ oder ‘erweitertes Narrativ des Objekts’. Weiter interessiert das Konzept des Erinnerungsorts bzw. geht es um Fragen nach einer Invention of Tradition. Die Veranstaltung beinhaltet ein Seminar, in dem in Gruppenarbeit die Literatur zum Schatz unter methodologischen Gesichtspunkten diskutiert wird, jeweils gefolgt von einer Exkursion nach Halberstadt mit einer Übung vor Originalen. Pro Person fallen ca. 30,– Euro Fahrtkosten an. Erwartet werden neben aktiver Mitarbeit 1) die Moderation einer Literatur-/Methodendiskussion, 2) ein Kurzreferat zu einem Objekt vor Ort und 3) die Ausarbeitung des Referats als Hausarbeit (ca. 30.000 Zeichen).

 

N. Horsch

Heilige Orte: Architektonische Inszenierung, sakrale Topographien und Devotionalkopien in der Architektur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (V)

Mi, 11.15 Uhr, WMH 5/15

Die Fassung und Vermittlung heiliger Orte gehörte über Jahrhunderte zu den wichtigsten Aufgaben der Architektur des christlichen Abendlandes. Was macht jedoch grundsätzlich die christliche Konzeption eines "heiligen Ortes" aus und welche Konsequenzen haben entsprechende Vorstellungen für die Entwicklung von spezifischen Architekturformen und Gebäudetypologien? In der Vorlesung werden zunächst in vergleichender Perspektive unterschiedliche – ontologische wie auch "narrative" – Konzeptionen von der Heiligkeit bzw. Heiligung von Orten im Christentum untersucht, bevor wir uns mit den grundlegenden architektonischen Mitteln (Distanzierung, Überwölbung, Erhöhung, Lichtregie…) beschäftigen werden, die zur Gestaltung von Sakralräumen und liturgischen Zentren zum Einsatz kommen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt jedoch im Folgenden auf der architektonischen Inszenierung herausragender heiliger Orte wie etwa den Stätten der Vita und Passion Christi in Bethlehem, Nazareth und Jerusalem oder den Märtyrerbasiliken Roms. Vorgestellt werden zudem Sakralbauten, die durch die Präsenz besonders vieler oder besonders bedeutender Reliquien zu heiligen Orten stilisiert werden (z. B. die Sainte-Chapelle in Paris oder die Cappella della Sacra Sindone in Turin). Dass die Lokalisierung von Heiligkeit neben Orten auch ganze Räume betreffen kann, soll am Beispiel sakraler Topographien thematisiert werden: Landschaften, die durch numinose Präsenzen aufgeladen werden, jedoch auch urbane Netzwerke heiliger Orte wie die Via dolorosa in Jerusalem oder die sieben Hauptkirchen Roms. Ausgehend von diesen Beispielen sollen schließlich Konzepte und Formen translozierter und "kopierter" heiliger Orte vorgestellt werden: mittelalterliche Heilig-Grab-Kopien in Sakralräumen, Sacri monti und "Jerusalems", Phänomene der Besetzung von Stadt- und Gartenräumen mit sakralen Bedeutungen bis hin zur Vernetzung von Sakral- und Residenztopographien im Barock.

 

Kulturwissenschaft

G. Pickel

Religionssoziologie – einführende Diskussionen und gegenwärtige Entwicklungen (S)

Di, 9.15 Uhr, Theologische Fakultät

Die Veranstaltung führt anhand von Darstellungen, Diskussionen und Gesprächen über zentrale Texte der Religionssoziologie in die sozialwissenschaftliche Beschäftigung mit Religion ein. Vermittelt werden die grundsätzlichen Zugänge der Religionssoziologie, Einblicke in deren Klassiker sowie auch die Genese der Religionssoziologie. Dabei wird vor allem der sozialwissenschaftliche Blick religionswissenschaftlicher Forschung zu entwickeln versucht.

 

U. Karstein

Soziologie wiederkehrender Religionen (S)

Mo, 13.15 Uhr, GWZ 5-116

Im Zentrum des Seminars wird das Buch von Wolfgang Eßbach „Religionssoziologie I. Glaubenskrieg und Revolution als Wiege neuer Religionen“ stehen. Eßbach konzeptualisiert und untersucht hier die europäische Religions- und Glaubensgeschichte als Entstehung und Wiederkehr verschiedener Religionstypen. Dominierende Zeiterfahrungen wie Glaubenskriege und Revolutionen, aber auch die Entstehung einer Marktgesellschaft und die Artifizierung der Lebenswelt hätten in Europa zur Ausbildung alternativer Formen des Religiösen geführt, so Eßbach. In den Blick nimmt er daher neben dem „klassischen“ bekenntnishaft organisierten Typus des Religiösen auch und vor allem neuartige Formen wie die „Rationalreligion“, die „Kunstreligion“ oder die „Nationalreligion“. Das Buch analysiert zeitgenössische Intellektuellendiskurse seit dem 17. Jahrhundert und ist über weite Strecken kulturhistorisch wie –soziologisch fundiert. Insofern ist das Seminar nicht nur für religionssoziologisch Interessierte relevant, sondern für alle, die sich dem Phänomen Religion aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive nähern wollen. Dabei soll es im Seminar nicht zuletzt auch um das zeitdiagnostische Potential des Buches gehen.

 

Politikwissenschaft

G. Pickel

Religionen als politischer Streitfall und Probleme im interreligiösen Dialog? (S)

Mi, 9.15 Uhr, Theol. Fak.

Religion ist in der Gegenwart wieder zum Streitthema geworden. Nicht nur sind einzelne Religionen im Fokus der Kritik bis Anfeindung, auch allgemeine Religionsphobien und Konflikte zwischen Anhängern unterschiedlicher Religionsgruppen rücken vermehrt in den Fokus öffentlicher (und privater) Diskurse. Dies fordert Politik, Gesellschaft, Kirchen und auch Theologen heraus. Mancherorts wird bereits von dem Aufkommen einer Religionspolitik gesprochen, anderenorts die Veränderung der politischen Kultur in Europa aufgrund religiöser Pluralisierung und ihrer Folgefragen thematisiert. Im Seminar werden die Auseinandersetzung über Religionen, Aspekte des interreligiösen Dialogs, wie auch Fragen zum Verhältnis von Integration, religiöser Pluralisierung und Religiosität zur Sprache gebracht. Zur Information für Studierende der Politikwissenschaft: Das inhaltliche Bezugsthema wird dabei im Übergang zwischen Politikwissenschaft und Religionssoziologie liegen, eher im politikwissenschaftlichen Bereich. Ein methodischer Schwerpunkt wird integriert.

 

Ägyptologie

H.-W. Fischer-Elfert

Einführung in das Kursivhieratische II – Lektüre des unpublizierten Queen’s College Papyrus Oxford (S/Ü)

Mi., 9 Uhr, SG 221

Lektüre einer noch unpublizierten, partiell erhaltenen, Erzählung in kursivhieratischer Schrift aus der 25. Dyn. mit spätneuägyptischer–frühdemotischer Grammatik und Lexik. Plot der Geschichte ist eine Auseinandersetzung zwischen zwei Priestern am Atum-Re-Harachte-Tempel von Heliopolis. Wahrscheinlich geht es, wie in vergleichbaren späteren demotischen Erzählungen, um Ämter und Pfründen. Kultur- und religionsgeschichtlich ist der Text u.a. auch deshalb von einiger Bedeutung, weil er eine Reihe von Tieren als Orakelinstanzen nennt, die anderweitig bislang nicht dokumentiert sind. Ein historischer oder historisierender Rückblick in Gestalt des Zitats der Proklamation eines Königs Usermaatre gegenüber dem Chefgott von Heliopolis führt aufseiten des Gottes zu einer literarisch äußerst selten bezeugten Königsschelte (vgl. etwa die sog. Demotische Chronik). Lexikalisch bietet der Text eine Reihe von Erstbelegen, die in der demotischen Erzähl- und Weisheitsliteratur dann zum Standardrepertoire gehören werden. Eine Anspielung auf die Existenz einer Kultgenossenschaft von Wab-Priestern des Atum-Re-Harachte kommt hinzu.

 

J. Hagen

Koptische Lektüre II (S)

Mo., 15 Uhr SG 215

Nach Vertiefung der Grammatikkenntnisse anhand von Lektüre im Sommersemester 2017 und nach der Klausur bzw. mündlichen Prüfung am Ende der ersten zwei Semestern Koptischunterricht folgt jetzt eine weitere Vertiefung der Leseerfahrung und Interpretation sahidisch-koptischer Texte. Es wird die Lektüre aus Editionen und von Photos, und das Nachschlagen griechischer Vokabeln eingeübt. Neben dem Thema ‚Heiligentexte und Bibelbücher des Kirchenjahres‘ (anhand des Beispiels des bekehrten Zauberers Cyprian und „seiner“ Justina) wird die Lektüre ägyptologisch relevanter Texte fortgesetzt (‚Jesus und Judas in der ägyptischen (?) Unterwelt‘), wobei es auch zu einer ersten Erfahrung mit anderen Dialekten als Sahidisch kommt (‚Weisheit für hieroglyphische Inschriften‘ und ‚Ägypten als Tempel der Welt‘). Am Anfang des Semesters wird die Rolle des Koptischen bei der Entzifferungsgeschichte der Hieroglyphen besprochen, u.a. anhand von Beispielen aus Champollions Grammaire égyptienne (1836).

 

J. Filitz

Bibelkunde Altes Testament (Ü)

Di., 17 Uhr, HS 1

Die Übung will einen umfassenden Überblick über die Schriften des Alten Testaments liefern und dient zugleich als Vorbereitung für die Bibelkundeprüfung. Sie richtet sich besonders an Studienanfänger und -anfängerinnen. Im M.-A.-Vertiefungsmodul soll diese Übung als zweiter Teil besucht werden.

 

Anglistik

E. Schenkel

Asia and the West: Cultural, Spiritual and Literary Interactions (S)

Do, 15 Uhr, SG S 304

This is a seminar on philosophical, literary and religious questions in an intercultural context. We will look at the various ways Eastern and Western cultures have intertwined over the last 200 years. Movements in art and fashion from Japonisme to Chinoiserie had an impact on painters such as van Gogh or writers like Oscar Wilde and Ezra Pound. Chinese philosophy and wisdom informed the works of Hermann Hesse, Philip K. Dick and C.G. Jung, all three of them under the spell of the Chinese Oracle, the I Ging. While the Bengali author and artist, Rabindranath Tagore came to Europe and was seen as a new Messiah inspiring writers like W.B. Yeats, a French woman, Mira Alfassi, became a spiritual leader in India. The German orientalist Max Müller, who founded a series of books of Eastern spirituality, is still highly venerated in India, to the extent that they name their Goethe Institutes Max Muller Bhavan (House). And when the Beatles came to India, they changed Western ideas and fashions vis- à-vis Indian culture, while the Hippies discovered Zen and Yoga on the American West Coast. Theosophy tried to combine Eastern spirituality and Western science. Indian gurus capitalised and still capitalise on the misunderstandings and yearnings of Westerners looking for ultimate salvation. We shall study certain writers and aficionados of Eastern culture, like Lafcadio Hearn who tried to become Japanese and is still worshipped in Japan, or Eugen Herrigel who brought Zen to the West (as archery) or Winnie the Pooh, through whom we can understand the Chinese philosophy of Daoism much better than through many scientific studies.

Legende:

V: Vorlesung

S: Seminar

KQ: Kolloquium

Ü: Übung

PS: Proseminar

HS: Hauptseminar

OS: Oberseminar

BS: Blockseminar

letzte Änderung: 12.10.2017

Kontaktinformation

Centre for the Study of Religion
Schillerstraße 6
04109 Leipzig

Sprecher:
Prof. Dr. Christoph Kleine

E-Mail

Koordination und Information
Dr. Bernadett Bigalke

E-Mail