Sommersemester 2017

Sommersemester 2017

Lehrveranstaltungen mit Religionsbezug an der Universität Leipzig - Sommersemester 2017


Religionswissenschaftliches Institut

Das umfangreiche Lehrangebot des Religionswissenschaftlichen Instituts finden Sie hier.

 

Theologische Fakultät

Das umfangreiche Lehrangebot der Theologischen Fakultät finden Sie hier.

 

Ägyptologisches Institut

A. Berlejung

Außerbiblische Texte und Bilder zur Religionsgeschichte Israels (Ü)

Mi, 11.15 Uhr, SR 2

Kursorische Lektüre hebräischer, aramäischer, akkadischer, ägyptischer und griechischer Texte, ggf in bereitgestellter Übersetzung (s. Literaturangabe)

Historisches Seminar

E. Bünz

Was glaubten die Menschen vor der Reformation? Alltägliche Frömmigkeit im späten Mittelalter (S)

Do, 11.15 Uhr, GWZ, SR 5.216

500 Jahre Reformation, an dieses Ereignis wird 2017 allenthalben in Deutschland erinnert. Wie war es möglich, dass der Wittenberger Mönch und Theologieprofessor Martin Luther mit 95 Thesen über Ablass und Gnade seine Zeit in Unruhe versetzte? Die Wirkung der Reformation Luthers ist nur verständlich, wenn man sich die tiefgreifende Christianisierung der mittelalterlichen Gesellschaft vergegenwärtigt. Die Kirche prägte alle erdenklichen Bereiche des alltäglichen Lebens und erfasste ohne Ausnahme das Leben der Menschen. Was glaubten die Menschen um 1500, und wie glaubten sie? Wie wurden die Menschen von der Kirche geprägt, und wie gestalteten sie selbst die Kirche mit? Dies sind zentrale Fragen des Seminars, das mit Grundproblemen des Lebens im Mittelalter vertraut machen möchte. 

 

E. Bünz

Wie kam es zur Reformation? Die Vorgeschichte von 1517 (V)

Di, 11.15 Uhr, GWZ, Hörsaal 7 H2.006

Der Ausbruch der Reformation vor 500 Jahren leitete eine welthistorische Wende ein. Die Reformation Martin Luthers nahm von Sachsen ihren Ausgang, erfasste die Territorien und Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und wirkte weit darüber hinaus in Europa und der Welt. Wäre der Glaubensstreit bloß ein innerkirchlicher Konflikt um theologische Probleme, ließe sich die Frage nach dem Anlass der Reformation auf die Person Martin Luthers und die Lehre vom Ablass beschränken. Aber die Reformation hat kaum einen Bereich von Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur unberührt gelassen. Deshalb führt die Frage nach den Ursachen der Reformation zu grundsätzlichen Probleme des späten Mittelalters, beispielsweise das Verhältnis von Staat und Kirche, das Bemühen um Reichs- und Kirchenreform, die Rolle von Landesfürsten und Reichsstädten, die Bedeutung von Bildung und Wissenschaft, die Stellung der Kirche im Alltag der Menschen. Diese und weitere Aspekte sollen im Laufe des Semesters betrachtet werden. 

 

M. Rudersdorf

Der Kaiser, das Reich und die Reformation – säkulare Weichenstellungen in der Mitte Europas (V)

Mo, 09.15 Uhr, GWZ, Hörsaal 3 H1.028

Renaissance, Reformation und frühmoderne Staatsbildung bilden eine alles umfassende kulturelle Folie, von der entscheidende politische Anstöße zu einem gesellschaftlichen Wandlungsprozess ausgehen. Die Reformation sprengte die Einheit der alten Kirche und wurde so zu einem Ausgangspunkt für tiefgreifende Veränderungen im Bereich von Verfassung, Gesellschaft und politischer Administration im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Vorlesung möchte in chronologischer und systematischer Weise einen Überblick über die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Reich, Reformation und universalem Herrschaftsanspruch der Habsburger im europäischen Kontext vermitteln. Dabei wird das Geschehen in den europäischen Nachbarstaaten vergleichend berücksichtigt.

 

 M. Rudersdorf

Luther und Rom. Die Reformation und das Papsttum (1. Hälfte 16. Jh.) (S)

Blockseminar, GWZ

Vor 500 Jahren wurde ein konfessioneller Prozeß in Gang gesetzt, der zu einschneidenden, bis heute nachwirkenden gesellschaftlichen Umbrüchen im deutschen Raum und in ganz Europa führte. Das Seminar widmet sich der Frühphase der Reformation im Reich aus dem Blickwinkel der römischen Kurie bis hin zum Augsburger Religionsfrieden (1555). Dabei sollen die Möglichkeiten und Spielräume des Papsttums in der Auseinandersetzung mit dem beginnenden Protestantismus an der römischen Zentrale selbst, aber auch in den deutschen Territorien bestimmt werden. In diesem Zusammenhang sollen besonders die ins Reich (Kaiserhof, Reichstage) entsandten päpstlichen Vertreter (Legaten, Nuntien) als entscheidende Akteure des konfessionellen Konflikts in den Blick genommen werden. Darüber hinaus soll auch der innerkichliche Reformprozeß der römischen Kirche angesprochen werden.

 

J. Deventer; S. Hofmann

Ambivalente Angleichung. Grundlinien der Kulturgeschichte der Juden in Deutschland im 19. Jahrhundert (S)

Mo, 11.15 Uhr, Simon-Dubnow-Institut, SR EG

Die Geschichte der Juden in den deutschsprachigen Gebieten des 19. Jahrhunderts ist eng mit den Debatten um deren politisch-rechtliche Gleichstellung und der damit verbundenen Forderung der Akkulturation an die sie umgebende Gesellschaft verbunden. In Emanzipationsdebatten war seit dem späten 18. Jahrhundert beständig zunächst die Angleichung der Juden in Sprache, Verhalten, Bildung, Sittlichkeit und Moral gefordert worden. Sobald diese erfolgt sei, könne ihnen die rechtliche Gleichstellung gewährt werden. Dieses konditionale Emanzipationsdenken beförderte tiefgreifende Veränderungen jüdischer Lebenswelten: Große Teile der deutschen Juden strebten nach Verbürgerlichung, Gleichbehandlung und Akzeptanz. Sie wurden am Ideal des Bildungsbürgers gemessen und orientierten sich ihrerseits an diesen Kriterien. Andererseits wurde zur gleichen Zeit angezweifelt, dass Juden überhaupt fähig wären, sich an das bürgerliche Vorbild anzugleichen. Umso stärker die Akkulturation der deutschen Juden voranschritt, umso vehementer geriet deren Ablehnung, die schließlich im modernen Antisemitismus mündete.

Das Seminar nimmt diese zwiespältige Entwicklung zum Ausgangspunkt, um sich den Grundlinien der Kulturgeschichte der Juden in Deutschland bis in die 1880er Jahre zu widmen. Es führt in Debatten um Emanzipation und Akkulturation sowie die dadurch ausgelösten Dynamiken ein. Darauf aufbauend wird anhand von ausgewählten Beispielen diskutiert, wie Juden auf diese Entwicklungen reagierten. Dabei werden rechts-, sozial- und kulturhistorische Ansätze miteinander verbunden.

 

 P. Graf; J. van Laak

Neue Zugänge zur Geschichte der Juden in der DDR (KQ)

Mo, 11.15 Uhr, Simon-Dubnow-Institut, SR EG

In jüngster Zeit findet die Geschichte der Juden in der DDR neue akademische Beachtung. Interessierte sich die Forschung in den ersten beiden Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung zunächst vornehmlich für die Lebenswege jüdischer Kommunisten sowie für das Verhältnis der SED zu den jüdischen DDR-Bürgern und zum Staat Israel, fragen Vorhaben neueren Datums nun nach den weniger offiziösen Aspekten wie zum Beispiel nach der Lebensrealität in den Jüdischen Gemeinden aber auch nach den individuellen Selbstentwürfen im Spannungsfeld von Sozialismus und jüdischer Herkunft. Wieder andere untersuchen die im Nachhinein überraschend gegenwärtige Präsenz des Holocaust in Literatur, Film und Bildender Kunst des Arbeiter- und Bauernstaats. Das Forschungskolloquium im Sommersemester 2017 greift dieses neue Interesse an der Geschichte der Juden in der DDR auf und gibt in der Vortragsreihe Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte.

 

Institut für Afrikanistik

D. van den Bersselaar

Religion in Afrika (V)

Mo, 15.15 Uhr, Universitätsstraße 3, Hörsaal 13 M2.024

We will explore the interface between religion and societal change by examining cases from different parts of Africa, from the 18th century to the present, including: Usman dan Fodio; Christian missions; gender and marriage; Islamic brotherhoods; iconoclasm; “satanic riches”; fundamentalism; appropriate consumption; and the prosperity gospel.

 

Orientalisches Institut

D. Müller

Die Bürokratisierung des Islam: Transdisziplinäre Perspektiven (S)

Di, 15.15 Uhr, Schillerstraße 6, M 104

Das Seminar befasst sich mit der staatlichen Bürokratisierung des Islam und ihren gesellschaftlichen Implikationen in unterschiedlichen lokalen Kontexten, die von Europa über die MENA-Region bis nach Südostasien reichen. Hierbei werden wir neben empirischen Fallstudien auch theoretische Literatur diskutieren, die sich mit bürokratischer Machtausübung und Wissensproduktion in modernen Nationalstaaten befasst, um ein tieferes Verständnis der zugrundeliegenden Prozesse zu entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Verhältnis angestrebter Deutungshoheit durch staatliche oder staatlich geförderte Akteure im islamischen Diskurs und den vielfältigen gesellschaftlichen Reaktionen darauf.

 

H.-G. Ebert

Das Recht der Religiösen Stiftungen im Islam (S)

Mo, 11.00 Uhr, Schillerstraße 6, M 204

Religiöse Stiftungen (auqâf) haben bei der Expansion des islamischen Reiches eine wichtige Rolle gespielt und bestehen bis heute in verschiedenen Varianten fort. Ihre rechtliche Grundlage finden sie im Islamischen Recht. Dabei wurden Regelungen orientalisch-christlichen und sassanischen Ursprungs modifiziert berücksichtigt. Die LV wird sich im Einzelnen mit den Bestimmungen ihrer Gründung, Verwaltung und Verwertung beschäftigen. Für die einzelnen Themenbereiche wird als arabische Quelle die von Muhammad Qadri Pasha (gest. 1886) erstellte Kodifikation benutzt. Entsprechende Arabischkenntnisse sind daher zwingend erforderlich.

 

H.-G. Ebert

Arabische und islamische Rechtstexte (Ü)

Mo, 9.00 Uhr, Schillerstraße 6, M 204

In der Lehrveranstaltung werden arabische Urkunden, Dokumente und Texte gelesen, übersetzt und interpretiert. Im Sommersemester sollen familien- und personenrechtliche Urkunden (z.T. mit handschriftlichen Einträgen) im Mittelpunkt stehen.

 

M. Magout

Diskurse über Säkularismus und Religion in der arabischen Welt (S)

Di, 13.15 Uhr, Schillerstraße 6, M 103

Das Seminar bietet eine Einführung in den Diskurs über Säkularismus und Religion in der arabischen Welt während der letzten zwei Jahrhunderte. Ziel des Seminars ist den historischen und kulturellen Hintergrund für das Entstehen des arabischen säkular(istisch)en Denkens, die von ihm ausgelösten Debatten sowie die Reaktionen der verschiedenen religiösen Ströme darauf zu diskutieren. Fragen wie „Ist Säkularismus eine von kolonialistischen Mächten und verwestlichten Eliten aufgezwungene Ideologie oder das Ergebnis interner Entwicklungen in der arabischen Gesellschaft vor und in Erwiderung zum Kolonialismus?“ und „Ist Islamismus das Gegenteil von säkularem Nationalismus oder eher dessen Umdeutung?“ werden in Bezug auf konkrete Fallstudien behandelt werden. Die Themen des Seminars beschränken sich nicht ausschließlich auf Politik, sondern umfassen auch Gesellschaft, Literatur, und Popkultur. Das Seminar richtet sich an Studierende, die sich für Themen wie Staatsbildung, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen, und die Rolle der Religion in der Öffentlichkeit in einem arabischen-islamischen Zusammenhang interessieren.

 

H.-G. Ebert

Die islamische Rechtsquellenlehre (S)

Mo, 9.00 Uhr, Schillerstraße 6, M 102

Die islamische Rechtsquellenlehre bildet die Grundlage für das Verständnis des Islamischen Rechts. Aufbauend auf den im Bachelorstudiengang erworbenen Kenntnissen zur sharî’a soll die Lehrveranstaltung das System der Quellen und Methoden des Rechts untersuchen. Zunächst steht die historische Formierung der Rechtsquellenlehre im Mittelpunkt. Unter Bezugnahme auf ash-Shâfi’î (gest. 820) werden diesbezügliche Auffassungen muslimischer Gelehrter beleuchtet. Das Seminar beschäftigt sich mit den einzelnen Elementen der Rechtsquellenlehre und arbeitet die Besonderheiten der sunnitischen und schiitischen Lehre heraus. Neben den „klassischen“ Theorien zu den usûl al-fiqh sollen „moderne“ Lehrmeinungen behandelt werden. Die Teilnahme an der Lehrveranstaltung setzt gute Arabisch-Kenntnisse voraus.

H.-G. Ebert

Islamisches Recht (S)

Mi, 11.00 Uhr, Schillerstraße 6, S 202

Das Seminar bezieht sich auf die in der Vorlesung behandelten Themen (vgl. Literaturliste und Themenplan zur Vorlesung). Die Studierenden (Scherpunktmodul) haben in jeweils kurzen Vorträgen mit einem entsprechenden Thesenpapier einen der aufgeführten Punkte zu bearbeiten. Die Veranstaltungen haben auf der Grundlage des Allgemeinen Teils des Islamischen Rechts (usûl al-fiqh) den Besonderen Teil (furû' al-fiqh), d.h. die Rechtszweige, schwerpunktmäßig zum Inhalt. Das islamische Personalstatut findet dabei eine besondere Beachtung. Die islam-rechtlichen Quellen, Methoden und Bestimmungen werden vergleichend analysiert. Rechtstheoretische und -praktische Aspekte sowie historische Zusammenhänge sollen die innere Logik und die Spezifika des Islamischen Rechts beleuchten und durchschaubar machen.

 

Ostasiatisches Institut (Sinologie)

F. Assandri

Aspekte der Religionsgeschichte Chinas (Ü)

Fr, 15.15 Uhr, Universitätsstraße 1, S S305 S 3.103

 

Institut für Kunstgeschichte

M. Scholz-Hänsel

Kunst und Religion: Luther und die "Katholische Reform" aus der Perspektive der Kunstgeschichte (S)

Di, 9.15 Uhr, Dittrichring 18-20, SR 15

Im Lutherjahr erscheint es reizvoll, den Einfluss der christlichen Religionen auf die Künste im "Konfessionellen Zeitalter" zu beleuchten. Dazu sollen sowohl zentrale Texte wie auch Bildwerke analysiert werden. Spätesten seit der Debatte zwischen den Kunsthistorikern Werner Weisbach und Nikolaus Pevsner ist das Thema auch in der Kunstgeschichte präsent. - Das Seminar gibt einen Überblick zu den teilweise kontroversen Positionen und liefert nützliche Anleitungen zum Umgang mit christlicher Kunst vor allem des 16. und 17. Jahrhunderts. Die vielen Ausstellungen des Lutherjahres liefern uns darüber hinaus viele Möglichkeiten zur Einbeziehung von Originalen. 

 

Germanistik

I. Nagelschmidt

Jüdische Autoren und Autorinnen der ersten, zweiten und dritten Generation nach dem Holocaust (S)

Do, 13.15 Uhr, Universitätsstraße 1, SR S224 S 2.306

 

Institut für Kulturwissenschaft

U. Karstein

Soziologie wiederkehrender Religionen (S)

Mo, 13.15 Uhr, GWZ, 5.116

Im Zentrum des Seminars wird das Buch von Wolfgang Eßbach „Religionssoziologie I. Glaubenskrieg und Revolution als Wiege neuer Religionen“ stehen. Eßbach konzeptualisiert und untersucht hier die europäische Religions- und Glaubensgeschichte als Entstehung und Wiederkehr verschiedener Religionstypen. Dominierende Zeiterfahrungen wie Glaubenskriege und Revolutionen, aber auch die Entstehung einer Marktgesellschaft und die Artifizierung der Lebenswelt hätten in Europa zur Ausbildung alternativer Formen des Religiösen geführt, so Eßbach. In den Blick nimmt er daher neben dem „klassischen“ bekenntnishaft organisierten Typus des Religiösen auch und vor allem neuartige Formen wie die „Rationalreligion“, die „Kunstreligion“ oder die „Nationalreligion“. Das Buch analysiert zeitgenössische Intellektuellendiskurse seit dem 17. Jahrhundert und ist über weite Strecken kulturhistorisch wie – soziologisch fundiert. Insofern ist das Seminar nicht nur für religionssoziologisch Interessierte relevant, sondern für alle, die sich dem Phänomen Religion aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive nähern wollen. Dabei soll es im Seminar nicht zuletzt auch um das zeitdiagnostische Potential des Buches gehen.

 

Institut für Philosophie

Th. Wendt

Friedrich Nietzsche und das Schicksal Gottes (S)

Blockseminar

Im Rahmen meiner nunmehr schon traditionellen Blockveranstaltungen findet im Juli 2017 gemeinsam mit Prof. Dr. St. Dietzsch (Berlin) eine einwöchige Seminarreihe zu „Friedrich Nietzsche und das Schicksal Gottes“ statt. Sie wendet sich primär an Masterstudenten und Promovenden der Philosophie, Theologie und Religionswissenschaften. Aushänge beachten! 


Legende:

V: Vorlesung

S: Seminar

KQ: Kolloquium

Ü: Übung

PS: Proseminar

HS: Hauptseminar

OS: Oberseminar

BS: Blockseminar

letzte Änderung: 19.09.2017