Wintersemester 2016/17

Wintersemester 2016/17

Lehrveranstaltungen mit Religionsbezug an der Universität Leipzig - Wintersemester 2016/17

 

Religionswissenschaftliches Institut

Das umfangreiche Lehrangebot des Religionswissenschaftlichen Instituts finden Sie hier.

 

Theologische Fakultät

Das umfangreiche Lehrangebot der Theologischen Fakultät finden Sie hier.

 

Historisches Seminar

A. Sembdner

Stadt und Kirche im mittelalterlichen Sachen und Mitteldeutschland (S)

Di, 15.15 Uhr, GWZ, SR 5.216

In der mittelalterlichen Stadt konzentrierten und verdichteten sich politische, rechtliche, religiöse, soziale und wirtschaftliche Phänomene, die uns zum Verständnis einer für unser Vorstellungsvermögen bereits weit entrückten Zeit dienen können. Zugleich ist Kirchen-geschichte immer auch Stadtgeschichte; eine Erkenntnis, die für jede mittelalterliche Stadt gelten dürfte. Der christliche Glaube und die römische Kirche nahmen im Alltagsleben der mittelalterlichen Menschen einen zentralen Platz ein. Die „Totalität, mit der die mittelalterliche Kirche das ganze damalige Leben bis in die letzten Kapillaren durchdrang“, wie es der bekannte Historiker Arnold Esch ausdrückt, verweist darauf, dass die Beschäftigung mit der Kirchengeschichte unabdingbare Voraussetzung für das Verständnis der mittelalterlichen Gesellschaft ist. Das Seminar wird sich mit den unterschiedlichen Phänomenen und Problemen der mittelalterlichen Stadt- und Kirchengeschichte (z. B. Besitz- und Wirtschaftsverhältnisse, politisch-herrschaftliche Beziehungen, Recht und Gerichtsbarkeit, aber auch religiöses Leben, Pfarr- und Hospitalwesen, Kirchenbau- und Finanzierung etc.) und deren Verflechtungen miteinander beschäftigen und diese anhand ausgewählter Quellenbeispiele den Teilnehmern nahe bringen. Dazu werden sowohl gedruckte wie ungedruckte Quellen gelesen und erörtert, was die Bereitschaft voraussetzt, sich auf mittelalterliches Latein und Frühneuhochdeutsch zumindest einzulassen. Aus den Quellen heraus sollen Themen und Fragestellungen für eine Hausarbeit entwickelt werden, womit zugleich das Erarbeiten einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit eingeübt wird.

 

E. Bünz

Das Bistum Meißen im Mittelalter (S)

Do, 11.15 Uhr, GWZ, SR 5.216

Das Bistum Meißen, der Zuständigkeitsbereich der Bischöfe von Meißen, umfasste neben der Mark Meißen, dem Kern des heutigen Sachsen, auch die Ober- und die Niederlausitz. Am Beispiel dieses flächenmäßig ausgedehnten und vielgestaltigen, durch die Forschung aber noch kaum aufgearbeiteten Bistums sollen zentrale Fragen der Kirchenverfassung und -organisation behandelt werden, die für das Verständnis der mittelalterlichen Geschichte grundlegend sind: der Bischof, seine Herrschaftsrechte und Kompetenzen; geistliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit; Domkapitel, Klöster und Stifte; Niederkirchenwesen (Pfarreien und Kapellen); Klerus und Frömmigkeit; spätmittelalterliche Kirchenreform, Reformation und Katholische Reform.

 

A. Koller

Rom, Papsttum und Kirchenstaat im 18. Jahrhundert (S)

Blockseminar, Termine noch offen, Erste Veranstaltung: 25.11.2016

Die Stadt Rom nimmt unter den bedeutenden europäischen Metropolen der Frühen Neuzeit eine Sonderstellung ein, nicht zuletzt auf Grund ihrer Doppelfunktion als geistliches (Residenz des Papstes und der Kurie) und weltliches (Hauptstadt des Kirchenstaats) Zentrum. In diesem Seminar sollen zentrale Aspekte und Alleinstellungsmerkmale der stadtrömischen Geschichte des 18. Jahrhunderts erarbeitet werden aus den Bereichen Politik (Organisation der Kurie, Gesandtschaften), Zeremoniell (u. a. Konklave, Possesso), Alltagsgeschichte und Religion (Bruderschaften, jüdische Gemeinde, Hl. Jahre) Urbanistik und Kunstpatronage sowie Wirtschaft. Das Seminar wird daneben die Grundlinien (Möglichkeiten/Einschränkungen) der auswärtigen Politik und der Selbstbehauptung des Papsttums/des Kirchenstaats im krisenhaften 18. und beginnenden 19. Jahrhundert behandeln.

 

L. Böckmann, P. Graf

Ziel zweiter Wahl oder neue Heimat? Jüdisches Exil und jüdische Erfahrung in Lateinamerika (S)

Mo, 13.15 Uhr, Simon-Dubnow-Institut, SR EG  

Jüdisches Leben in Lateinamerika galt lange Zeit als weißer Fleck, als außerhalb der Geschichte der Juden stehend. Dabei nahm Lateinamerika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert mit etwa 250.000 Immigranten die dritte Stelle weltweiter Emigrationsziele von Juden ein. Doch nicht nur demographisch ist die jüdische Erfahrung in Lateinamerika von Bedeutung. In ihr spiegeln sich zugleich jene Phänomene, die paradigmatisch sind für die jüdische Erfahrung im 20. Jahrhundert überhaupt, wenn auch unter spezifischen Vorzeichen: so die von Vertreibung und Exil, von Akkulturation (hier an eine vornehmlich katholisch-iberisch strukturierte Gesellschaft), aber auch von Modernität, hybriden Selbstverständnissen und Urbanität. Das Seminar möchte, ausgehend von aktuellen Forschungsperspektiven, diese Spannung fruchtbar machen und einen neuen Blick auf ein nach wie vor vernachlässigtes Themenfeld werfen. Der Fokus wird hierbei auf drei Generationen liegen: den zu Beginn des 20. Jahrhunderts vornehmlich aus dem östlichen Europa nach Lateinamerika eingewanderten Juden, den vor dem Nationalsozialismus in die Region geflohenen Juden aus dem deutschsprachigen Raum sowie jenen, die als Nachkommen über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus in Lateinamerika verblieben.

 

R. Gross

Hannah Arendt und die jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert (S)

Do, 11.15 Uhr, Simon-Dubnow-Institut, SR EG

Das Hauptwerk von Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft von 1954 (engl. 1951) wurde von ihr selbst – und wird in den Sozialwissenschaften bis heute – als ein Beitrag zur Politischen Theorie gelesen. In der Rezeption fällt dabei eine wiederkehrende Kritik ins Auge, die moniert, dass Arendt in ihrem Buch zwar die historische Realität treffend beobachtet, das ungewöhnlich hohe Maß an geschichtlichen Details jedoch ihren Blick für die Theoriebildung eingeschränkt habe. Das Seminar möchte diese durch die Autorin und ihre Leser vorgeprägte Rezeptionserwartung umdrehen und eine Lektüre des Werks vornehmen, in der gerade nicht die Theorie, sondern die Geschichte im Zentrum steht. Wir wollen das Buch als umfängliche historische Darstellung der europäischen Moderne lesen und dabei vor allem auf die Darstellung der jüdischen Geschichtserfahrung in Deutschland, Frankreich, England und Russland, bzw. der Sowjetunion achten. Denn Arendts epochale Schrift enthält Kapitel und ganze Abhandlungen über die jüdische Geschichte Europas im 19. und 20. Jahrhundert, über die neuzeitlichen Hoffaktoren und den englischen Premierminister Benjamin Disraeli, über das Frankfurter Bankhaus Rothschild und die französische Dreyfus-Affäre, über Antisemitismus, Staatenlosigkeit, Minderheitenrechte und Konzentrationslager. Das Buch selbst liegt als Piper-Tb in 14. Aufl. vor und ist zur Anschaffung empfohlen. Von den TeilnehmerInnen wird zusätzlich ein hohes Lektürepensum von Forschungsliteratur, Quellen und Archivmaterialien erwartet.

 

Institut für Ethnologie

U. Rao

Religion, Ritual, Theater 1 (S)

Di, 11.15 Uhr, Schillerstraße 6, M 103

Dieses Modul beschäftigt sich vertieft mit Wirtschafts- und Politikethnologie. Fragen nach Akkumulation von Ressourcen und Macht, sowie die kulturelle Einbettung von wirtschaftlichem Handeln und Formen politischer Ordnung stehen im Zentrum. Die Beispiele reichen von traditionellen Tauschkulturen zu moderner Marktwirtschaft, sowie von Gesellschaften ohne politische Zentralgewalt bis hin zur Verwendung des Kulturbegriffs im Militär im Kontext von „Aufstandsbekämpfung“. Studierende lernen einen Grundstock von klassischen Theorien kennen, die Formen des wirtschaftlichen und politischen Handelns in unterschiedlichen kulturellen Kontexten erklären. Der Kulturvergleich dient dazu, die Bandbreite kultureller Modelle kennen zu lernen, sowie Gemeinsamkeiten menschlichen Handelns herauszuarbeiten.

 

U. Rao

Religion, Ritual, Theater 2 (S)

Mi, 15.15 Uhr, Schillerstraße 6, M 204

Dieses Modul beschäftigt sich mit typischen Elementen des religiösen Lebens – wie z.B. Opfern, Mythen und Ritualen. Rückblickend auf die Ideengeschichte der Ethnologie reflektieren wir über religiöse Praxis und deren Repräsentation in ethnologischen Texten, sowie die Rolle von Nachbarfächern wie Religionswissenschaften und Theaterwissenschaften für die Auseinandersetzung mit religiösen Phänomenen. Anhand neuerer theoretischer Werke wird der Übergang zwischen Ritual und Theater thematisiert und die Bedeutung der performativen Wende für religionsethnologische und kulturwissenschaftliche Theoriebildung erörtert.

 

Orientalisches Institut

H.-G. Ebert, M.-C. Hakenberg, V. Klemm, E. Schulz

Die arabische und islamische Welt (V)

Mi, 7.30 Uhr, HSG, Universitätsstraße 3, HS 7  

Die Vorlesung vermittelt grundlegende Kenntnisse zur arabischen und islamischen Welt aus den Themenfeldern Geschichte, Religion, Kultur, Sprache und Sprachgeschichte sowie islamisches Recht.

 

V. Klemm

Der Islamische Orient im Spiegel geschichts- und kulturwissenschaftlicher Konzepte (V)

Mo, 16.00 Uhr, Schillerstraße 6, S 202  

Die Vorlesung widmet sich der Entstehung und Entfaltung islamischer Strömungen und Institutionen in der Frühphase sowie in anderen Phasen der islamischen Geschichte. Dabei werden auch die für die historische islamische Kultur charakteristischen wissenschaftlichen, literarischen und architektonischen Entwicklungen an einzelnen Beispielen gezeigt. Ebenso thematisiert werden Quellen und Methoden der historisch ausgerichteten Islamwissenschaft/Arabistik wie auch die Frage nach der Relevanz von Geschichte im islamwissenschaftlichen Kontext.

 

H.-G. Ebert

Islamisches Recht (V)

Mo, 11.00 Uhr, Schillerstraße 6, S 102  

Unter Beachtung der in der "Einführung in die Schwerpunkte der Arabistik" dargestellten grundlegenden Ausführungen zum Islamischen Recht werden in dieser Vorlesung vertiefte Kenntnisse zu den usûl al-fiqh und furû' al-fiqh vermittelt. Das Islamische Recht soll in seiner historischen Entwicklung erfasst und diesbezügliche neue Forschungsergebnisse berücksichtigt werden. Ausgehend von den Quellen beschäftigt sich die Lehrveranstaltung mit den Normen einzelner Rechtszweige und stellt diese in den Zusammenhang von Anpassung und Bewahrung unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. Bezüge zur aktuellen Rechtslage in den islamischen Ländern werden hergestellt. Die Vorlesung bietet Einblicke in die "klassische" und "moderne" islamische Rechtsliteratur, so dass entsprechende Arabisch-Kenntnisse vorausgesetzt werden müssen

 

H.-G. Ebert

Ritualpflichten, Kalender und Festkreis der Muslime aus rechtlicher Sicht (KQ)

Mi, 11.00 Uhr, Schillerstraße 6, M 204  

Im Mittelpunkt des Kolloquiums stehen islamisch-rechtliche Normen aus Koran und Sunna in Bezug auf die Ritualpflichten, den Kalender und den Festkreis der Muslime. Zunächst geht es um die einzelnen rechtlich-relevanten Elemente hinsichtlich der Reinheit, des Gebets, des Almosengebens, des Fastens und der Pilgerfahrt. Naturwissenschaftliche und astronomische Leistungen der Araber stehen im engen Zusammenhang mit religiösen Pflichten. Gewohnheitsrechtliche Normen bilden eine wichtige Quelle für religiöse und nicht-religiöse Feste in der arabisch-islamischen Welt. Christliche Traditionen fließen nicht nur über christliche Minderheiten in den arabischen Ländern ein, sondern resultieren auch aus intensiven, durch neue Medien vermittelten Kontakten zwischen Orient und Okzident.

 

H.-G. Ebert

Die islamische Rechtsquellenlehre (S)

Mo, 9.00 Uhr, Schillerstraße 6, M 102

Die islamische Rechtsquellenlehre bildet die Grundlage für das Verständnis des Islamischen Rechts. Aufbauend auf den im Bachelorstudiengang erworbenen Kenntnissen zur sharî’a soll die Lehrveranstaltung das System der Quellen und Methoden des Rechts untersuchen. Zunächst steht die historische Formierung der Rechtsquellenlehre im Mittelpunkt. Unter Bezugnahme auf ash-Shâfi’î (gest. 820) werden diesbezügliche Auffassungen muslimischer Gelehrter beleuchtet. Das Seminar beschäftigt sich mit den einzelnen Elementen der Rechtsquellenlehre und arbeitet die Besonderheiten der sunnitischen und schiitischen Lehre heraus. Neben den „klassischen“ Theorien zu den usûl al-fiqh sollen „moderne“ Lehrmeinungen behandelt werden. Die Teilnahme an der Lehrveranstaltung setzt gute Arabisch-Kenntnisse voraus.

 

H.-G. Ebert

Die Memoiren des fatimidischen Missionars al-Mu’ayyad fi d-din aus Schiraz (11. Jh.) (S)

Do, 10.15 Uhr, Schillerstraße 6, S 202  

Dieses Seminar widmet sich der Lektüre und historischen Kontextualisierung des autobiographischen Rapports (sira) des fatimidischen da?is (Missionar, Werber) al- Mu’ayyad, der bis zu seiner Aufdeckung und Flucht nach Kairo als geheimer Agent der Fatimiden am Buyidenhof im Iran tätig war. Der Kurs findet zweiwöchig statt.

 

M.-C. Hakenberg; J. Nowecki

Sufismus in der Moderne (S)

Di, 15.15 Uhr, Schillerstraße 6, M 204

Lange war der Sufismus nach Ende der Kolonialzeit durch die Forschung totgesagt. Spätestens seit einem Jahrzehnt wird deutlich, dass Sufi-Orden nach wie vor oder wieder bedeutsam sind. In den letzten Jahren werden sie teils auch als Gegenentwürfe zu erstarkenden islamistischen Bewegungen verstanden.
Über regionale Fallbeispiele nähern wir uns in diesem Kurs verschiedenen Aspekten des Sufismus in der Moderne an. Welche gesellschaftliche Bedeutung, Organisationsformen, Praktiken, Aktionsformen und Funktionen kann man identifizieren? Inwiefern lässt sich Sufismus in seiner heutigen Form als Kontinuitäten von Tradition oder als innovative Strömungen verorten? Wie positionieren sich sufische Bewegungen gegenüber islamistischen Gruppierungen und dem Nationalstaat?

 

Institut für Kunstgeschichte

F. Zöllner

Aby Warburg – zwischen jüdischer Identität und Assimilation (S)

Do, 13.15 Uhr, Dittrichring 18-20, SR 14

Anlässlich des 150. Geburtstages Aby Warburgs (1866-1929) setzt sich das Seminar vor allem mit der wissenschaftlichen, politischen und privaten Identität des Hamburger Privatgelehrten auseinander. Neben einigen Schriften kommen dabei seine Sozialisation und Ausbildung, seine Projekte (bürgerschaftliches Engagement, kunstkritische Arbeiten, Bilderatlas, Kriegskartothek etc.) sowie seine biographischen Brüchen zur Sprache (Entfremdung von der jüdischen Orthodoxie seines Elternhauses, psychischer Zusammenbruch). Im Fokus des Seminars stehen zudem die Warburgs Ansatz prägenden Motivationen, namentlich seine Behauptung einer gesellschaftlichen Relevanz und Wirksamkeit von Wissenschaft, seine Arbeit am Projekt der Aufklärung und damit auch sein Kampf für eine Emanzipation und Assimilation des deutschen Judentums. Letztlich geht es dabei um die unterschiedlichen Identitäten, die für Warburgs Leben, Schaffen und Wirken bedeutsam waren: Denn er war Hamburger Bankierssohn, Erstgeborener einer orthodoxen jüdisch-sephardischen Familie, ohne die damit einhergehenden Erwartungen zu erfüllen, und er war ebenso ein internationalistisch auftretender, dabei aber patriotischer Bourgeois und zugleich Hanseat, Hamburger und gleichzeitig italophiler Privatgelehrter, Sammler, Netzwerker etc. Das Seminar kreist also zu einem Gutteil um Warburg als historische Person und dabei auch um die Frage, welche Rolle seine fragmentierte Identität für seine wissenschaftlichen Gegenstände, seine Methode und für seinen Einfluss spielte.

 

K. Schumann

Wiedergewinnung eines verlorenen Schatzes – die Epitaphe der Universitätskirche Leipzig (S)

Do, 15.15 Uhr, Dittrichring 18-20, SR 14

Die Epitaphien der mittelalterlichen Universitätskirche St. Pauli bilden einen Kernkomplex der Kunstsammlung der Universität Leipzig, der kunsthistorisch von besonderer Bedeutung ist. Im Vorfeld der Kirchensprengung am 30. Mai 1968 standen gerade einmal 7 Tage für eine Notbergung zur Verfügung, danach verschwanden die Werke in nicht zugänglichen Depots und wurden als Geheimsache behandelt. Zerlegt in die ursprünglichen Baugruppen lagerten die einzelnen Elemente auf dem Boden, die Oberflächen waren verschmutzt, die Farbfassungen der Holzobjekte vom Träger abgelöst. Nachdem die Objekte über Jahrzehnte aus der Forschung ausgeschieden waren, wurde von der Kustodie in der Nachwendezeit und insbesondere ab 2002 ihre Restaurierung und Wiederanbringung betrieben. Derzeit erfolgt die Montage im künftigen Paulinum, welches im Rahmen des Seminars besucht wird. Wo immer möglich, erfolgt die Auseinandersetzung im Kontakt mit den künstlerischen Originalen. Der Denkmälerbestand umfasst Werke aus Stein, Holz mit Polychromie und Vergoldungen sowie aus Metall, die chronologische Spanne reicht von 1550-1770, d. h. vom Spätmanierismus bis in den Rokoko. Das Seminar widmet sich der Gattung Epitaph in Abgrenzung von anderen Funeralmonumenten und wirft darüber hinaus Fragen u. a. der Sozialgeschichte, der Wissenschaftsgeschichte, der Universitätsgeschichte und der Theologie auf. Am dem Bestand lassen sich interessante Entwicklungslinien der Gattung aufzeigen. Teilnahmevoraussetzung ist die Übernahme eines Referats zu einem der Epitaphien.

 

Außereuropäsische (Sprachen und) Kulturen

C. Kleine, G. Pickel, S. Schüler

Einführung in die Forschung zu Religion(en). Religiöse Pluralität und Pluralisierung im Religionsvergleich (V)

Di, 17.15 Uhr, HSG, HS 3

Die interdisziplinäre Ringvorlesung „Einführung in die Forschung zu Religion(en)“ gibt einen Überblick über die Vielfalt der Religionen. Sie greift systematische und spezifische Aspekte der Religionsforschung aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven auf. Dabei wird bewusst ein interdisziplinärer, interkultureller und interreligiöser Zugang zur Thematik gewählt, welcher den Studierenden Einblicke in unterschiedliche religiöse Traditionen und deren Auslegungen gibt. Gleichzeitig werden auch Aspekte der religiösen Gegenwartskultur angesprochen und unterschiedliche methodische Zugänge zum „Phänomen Religion“ vorstellt. Als Bezugspunkt der diesjährigen Ringvorlesung dient das Verhältnis der Religionen zu religiöser Pluralität und Pluralisierung.

 

Germanistik

I. Nagelschmidt

Jüdische Autorinnen im 20. Jahrhundert (S)

Do, 13.15 Uhr, SR 228

 

Institut für Kulturwissenschaft

A. Frank

Burka ist der neue Punk? (Radikale) Jugendkulturen im Vergleich (S)

Di., 13.15 Uhr, GWZ, 5.116

Der Soziologe Aladin El-Mafalaani stellte in einem Zeitungsartikel Salafismus in Deutschland als neueprovokante Jugendkultur dar. Hochwasserhosen und Wuselbart, Gesichtsschleier und bodenlangeGewänder statt Irokesenschnitt und Piercings oder Glatze und Springerstiefel? Im Seminar nähern wiruns mithilfe von aktuellen Studien dem Phänomen, vergleichen es mit anderen Jugend- undSubkulturen und versuchen, kultursoziologische Perspektiven, die sich daran anschließen können, zuentwickeln.

 

Institut für Politikwissenschaft

O. Kamil

Der arabische Frühling im regionalen und internationalen Kontext. Bedeutungen, Wirkungen und Perspektiven (S)

Blockseminar, HSG 322, HS 17

In diesem Seminar werden die Auslöser und die Wirkungen der Umbrüche im arabischenRaum behandelt werden. Das Seminar berücksichtigt dabei regionale und internationaleKonstellationen, die die Region prägen. Es sollen zwei Aufgaben zum Ziel gesetzt werden.Die erste Aufgabe richtet den Blick auf Veränderungsprozesse in Politik, Religion undGesellschaft vor dem Hintergrund einer hegemonialen Auseinandersetzung, derenAkteure Iran, Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten sind. Die zweite Aufgabe führt dasSeminar in die Internationale Politik und soll sich dabei insbesondere drei für die Regionentscheidenden Akteuren widmen: USA, Russland und EU.

 

Institut für Philosophie

Th. Wendt

Einführung in die Philosophie und ihr Studium (S)

Di, 9.15 Uhr, SG 322  

Dieses Seminar zur Einführung in die Theoretische Philosophie will zunächst Verständnis für die besondere Art philosophischen Fragens wecken. Jedoch sollen seine Besucher auch mit allgemeinen Methoden systematischen (wissenschaftlichen) Arbeitens vertraut gemacht werden.Der Eigenart philosophischen Denkens, den – auch verschiedenen – Ausprägungen desselben in Geschichte und Gegenwart soll dabei an zwei Problemkreisen nachgegangen werden: erstens untersuchen wir das Verhältnis von Glaube und Wissen am Beispiel der Beziehungen zwischen Philosophie, Wissenschaft und (christlicher) Religion. Zweitens lernen wir verschiedene Antworten auf die Frage „Was ist der Mensch?“ kennen.Im Verlauf des Semesters spannen wir dabei den Bogen von metaphilosophischen, erkenntnistheoretischen, anthropologischen bis hin zu geschichtsphilosophischen und ontologischen Überlegungen, so das Gesamtvorhaben Philosophie (die Idee der Philosophie) skizzierend.Was „konkurrierende Theorien“ sind, wie man sie vergleicht, was eine interne, pragmatische, syntaktische oder semantische Kritik ist, wie man sie handhabt, welche Hilfsmittel uns zur Verfügung stehen u. a. m., werden wir hierbei, aber ganz besonders in den Übungsveranstaltungen erfahren und erproben. Es findet eine Übung zum Seminar statt.

 

G.-L. Lueken

Philosophie und Graphische Literatur (S)

Mi, 11.15 Uhr, GWZ, 2.116  

Wie schon in der Veranstaltung im Sommersemester wird unsere Hintergrundfrage sein, ob und wie Graphische Literatur als präsentativ-diskursives Medium eine eigene Ausdrucks- und Darstellungsform des Philosophierens sein kann. Der thematische Fokus steht noch nicht fest: Möglich wäre etwa, auf beispielsweise religionsphilosophische Inhalte zu fokussieren, denkbar wäre auch, eine Einführung in die Philosophie als Leitfaden zu verwenden, um exemplarisch Graphische Literatur daraufhin zu befragen, was sie zu den verschiedenen Themen und Problemen der Philosophie beizutragen vermag. Schließlich erwägen wir, das Gedankenexperiment als Methode oder Argumentationsmuster bzw. prominente philosophische Gedankenexperimente in ihrer graphisch-literarischen Umsetzung zu untersuchen. Die Schwerpunktsetzung werden wir zu Beginn der Veranstaltung entschieden haben. In jedem Fall wird in der Eingangsphase der Veranstaltung noch einmal die Frage nach der spezifischen Form der Graphischen Literatur als Medium behandelt werden.

 

Ch. Schmidt

Politische Theologie (S)

Do, 11.15 Uhr, SG 126  

Wie schon in der Veranstaltung im Sommersemester wird unsere Hintergrundfrage sein, ob und wie Graphische Literatur als präsentativ-diskursives Medium eine eigene Ausdrucks- und Darstellungsform des Philosophierens sein kann. Der thematische Fokus steht noch nicht fest: Möglich wäre etwa, auf beispielsweise religionsphilosophische Inhalte zu fokussieren, denkbar wäre auch, eine Einführung in die Philosophie als Leitfaden zu verwenden, um exemplarisch Graphische Literatur daraufhin zu befragen, was sie zu den verschiedenen Themen und Problemen der Philosophie beizutragen vermag. Schließlich erwägen wir, das Gedankenexperiment als Methode oder Argumentationsmuster bzw. prominente philosophische Gedankenexperimente in ihrer graphisch-literarischen Umsetzung zu untersuchen. Die Schwerpunktsetzung werden wir zu Beginn der Veranstaltung entschieden haben. In jedem Fall wird in der Eingangsphase der Veranstaltung noch einmal die Frage nach der spezifischen Form der Graphischen Literatur als Medium behandelt werden.

 

B. Kobow

Gewalt und Handlung - Philosophische Analysen des Monotheismus aus dem 20. Jahrhundert (KQ)

Fr, 11.15 Uhr, GWZ, 5.315  

Wahnsinnig erscheinen heute vielerorts (in Orlando, Paris, in England, Deutschland, im Kalifat) gewaltsame Taten, die mit dem Monotheismus, der Autorisierung des ‚einen Gottes’, sich legitimieren.Schon Kierkegaard hat die existentielle Situation eines solchen Wahnsinns – Abrahams Vorhaben, seinen Sohn Isaak zu opfern – analysiert. Der Acte Gratuit ist eine Handlung ohne Sinn, Kosten, Motiv, Bedeutung. Gefragt werden muss, ob es solche Akte wirklich gibt und wie sie sich im Kollektiv konstituieren (siehe H. B. Schmids neuste Analyse zu Augustins Birnendiebstahl). Nietzsche und Dostojevski fragten sich zeitgleich, ob alles erlaubt sei, wenn Gott tot ist. Damit thematisierten sie ebenfalls den Monotheismus, die Ordnung aus einer Quelle, als Autorität über menschliches Handeln im Verhältnis zur Freiheit des Handelnden, aber auch die Orientierungsnot dieses Handelnden. Stirner, Mauthner und Nietzsche, später Wittgenstein beschreiben die Sprache als ein System arbiträrer, aber zwingender Sinngebung, womit sie einerseits ihre Religionskritik legitimieren, andererseits aber in der Aporie enden. Jaspers Hoffnung in ‚Der Philosophische Glaube’ ist die Aufstellung der Toleranz gegenüber verschiedenen Sinnquellen im Unterschied zum monotheistischen Offenbarungsglauben. Diese vielleicht zu einfache Antwort eines philosophischen Anti-Monotheismus soll im Kontext neuerer Texte pro und contra Monotheismus (Assmann - pro, Dreyfus & Kelly - contra) geprüft werden. (Zu bemerken ist auch, dass rechts wie auch links eines politischen Spektrums monotheistische Gründe und Gegengründe erwogen und instrumentalisiert werden.) Pragmatistische Antworten (James’ ‚supernaturalism of the crass kind’ aus ‚Varieties of Religious Experience’), aber auch Hans Vaihingers These von Gott als nützlicher Fiktion und der rechtsphilosophische Gebrauch der Monotheismus-Debatte, schließlich der Kulturpessimismus von Wittgenstein (in der Nachfolge Spenglers) oder von von Wright (einem Echo der heideggerschen Institut für Philosophie WS 2016/17Seite 17 von 45 Technikkritik) komplettieren das geistesgeschichtliche Panorama, das uns vielleicht hilft, Zeitgeschehen theoretisch zu unterfüttern und so besser zu verstehen.

 

M. Fischer

Die Debatten über das „Wesen“ des „wahren“ Menschen in der nachhegelschen Philosophie (Ü)

Mo, 11.15 Uhr, SG 325

„Wodurch der Mensch Mensch ist“, sagt Hegel zu Beginn seiner Vorlesungen über die Philosophie der Religion, „ist der Gedanke überhaupt, der concrete Gedanke, näher dieß, daß er Geist ist“. Damit, dass der Mensch nur ‚Geist‘ sein soll, wollen sich jedoch einige seiner ‚linken‘ Schüler, allen voran Feuerbach, nicht zufrieden geben. In das Zentrum ihrer philosophischen Bemühungen rückt darum der ‚konkrete‘, ‚sinnlich-leiblich‘ verfasste, auf sich selbst und nicht auf eine ‚supranaturale‘ und ‚extramundane‘ Macht bezogene, ‚gesellschaftliche‘, kurz: der ‚ganze‘ Mensch. In Teilen der Hegelschule entbrennt daraufhin eine philosophisch-anthropologische Debatte über das ‚wahre‘ bzw. ‚wirkliche Wesen‘ des Menschen.Uns ist es in diesem Seminar darum zu tun, den Verlauf dieser Debatte, welche die zeitgenössische philosophische Reflexion auf die gesellschaftliche Wirklichkeit – direkt und indirekt – beeinflusst hat, zu verfolgen. Dazu werden wir Texte von Hegel, David Friedrich Strauß, Ludwig Feuerbach, Max Stirner, Moses Hess, Karl Marx und anderen lesen. Im Zentrum stehen deren Überlegungen zum ‚Wesen‘ bzw. zur ‚Natur‘ des Menschen, zur ‚menschlichen Gattung‘ und zur ‚Entfremdung‘. Insbesondere der Entfremdungsbegriff erfreut sich seit einiger Zeit wieder einer Beliebtheit, wenn auch neuere Entfremdungstheorien eher für einen ‚antiessenzialistischen‘ Entfremdungsbegriff plädieren (Rahel Jaeggi, Hartmut Rosa). Die Thematik geht demnach über ihren philosophiehistorischen Gehalt hinaus und ist hochaktuell.Geleitet ist das Seminar von der These, dass die Vertreter der oben genannten Strömung mit ihren ‚naturalistischen‘ Vereinseitigungen nicht nur in das Hegelsche Programm eingreifen, sondern dabei noch hinter Hegel, aber auch hinter die anderen Vertreter der klassischen deutschen Philosophie zurückfallen. Deren Begriff von der ‚Menschheit‘ gilt es jedoch angesichts der gegenwärtigen sozialen, politischen und ökonomischen Konstellationen wiederzugewinnen.Die Bereitschaft zum Lesen der Seminartexte, die zu Semesterbeginn bereitgestellt werden und die Bereitschaft zur Übernahme von Referaten wird erwartet.

 

Legende:

V: Vorlesung

S: Seminar

KQ: Kolloquium

Ü: Übung

PS: Proseminar

HS: Hauptseminar

OS: Oberseminar

BS: Blockseminar

letzte Änderung: 12.09.2017